29.08.2018: Meine Begegnung mit Papst Franziskus – HvK-Schüler J. Hog schildert seine Eindrücke von der Papst-Audienz

Am 29. August 2018 hatte ich die Möglichkeit und Ehre, Papst Franzikus in Rom zu treffen. Es war einer der außergewöhnlichsten Momente meines Lebens. Meiner Meinung nach ist Rom eine äußerst sehenswerte Stadt. Der Vatikan war jedoch letztendlich das Beeindruckendste für mich. Der Petersdom am Kopf des Petersplatzes lässt den ganzen Ort sehr mächtig wirken. Der Säulenring um den Platz ist wie eine Mauer, die den Vatikan umschließt. Wenn man durch die Stadt geht, fällt einem auf, dass Rom im Gegensatz zu anderen Hauptstädten in Europa sehr sauber ist. An jeder Ecke sind prachtvolle Bauten, die für mich den Wiedererkennungswert der Stadt ausmachen. Die Hauptattraktionen liegen alle ziemlich nah beieinander. Der Circus Maximus liegt fast direkt neben dem Kolosseum und vom Kolosseum ist es nicht weit bis zum Vatikan. Der sehenswerte Teil in Rom ist sehr überschaubar.

Die Audienz mit dem Papst war aber der eigentliche Grund und auch das Highlight meiner Reise. Jeden Mittwoch versammeln sich tausende Menschen auf dem Petersplatz, um Papst Franziskus sehen zu können. Da es eine große Zeremonie gibt und alles generell sehr aufwändig ist, wunderte es mich, dass so ein Spektakel jeden Mittwoch stattfindet. Bevor Papst Franziskus mit einem Auto über den Platz gefahren wird, gibt es Tänzer und ein Orchester, was spielt, und alle warten darauf, den Papst endlich sehen zu können. Sobald er auf dem Platz ist, hört man seinen Namen in den unterschiedlichsten Sprachen. Es ist wirklich herausragend, von wo die Leute überall herkommen, um ihn sehen zu können.  Nachdem er über den ganzen Platz gefahren ist, begrüßt er seine Kardinäle und setzt sich auf einen Stuhl auf einer Art Podium vor dem Petersdom. Alle Leute mit einer Audienz sitzen in der ersten Reihe direkt am Podium.

Sobald der Papst sich niedergelassen hat, fängt er an zu reden und zu beten. Kurz danach wird eine Lesung in zehn verschiedenen Sprachen gehalten. Nach ungefähr zwei Stunden beginnen die Audienzen. Papst Franziskus geht jedes Mal zuerst zu den körperlich oder geistig Benachteiligten, spricht mit ihnen, hält ihre Hände, küsst sie und segnet sie. Ich finde es wirklich schön, wie er mit jedem einzelnen Menschen umgeht, und sich für jeden die Zeit nimmt, die nötig ist.

Danach geht er einmal in die Runde für alle, die eine Audienz haben. Viele Leute schenken ihm Dinge, wie ein Bild, ein T-Shirt oder Schmuck. Manche schreiben ihm auch einen Brief, in den sie ihre Sorgen oder Gedanken hineinschreiben. Je näher der Papst kam, desto nervöser wurde ich. Auch der Gedanke an zehn Sicherheitsleute, zwei professionelle Fotografen und einen Kameramann, der die Audienz live auf die riesigen Leinwände und in das Internet übertrug, beruhigte mich nicht. Hinter der Audienzreihe war eine Reihe, die zwar gute Plätze zum Sehen hatte, aber keine Privataudienz bekam. Während der Papst herum ging, riefen die Leute seinen Namen. Kurz bevor der Papst nun bei mir war, ereignete sich darum etwas zutiefst Besonderes, was mich sehr berührte. Ein kleines Mädchen rief seinen Namen. Der Papst bemerkte es und gab ihr ein Zeichen, dass sie herkommen solle. Sie wurde von den Sicherheitsleuten über die Absperrung gehoben und durfte mit dem Papst sprechen. Der Papst schrieb ihren Namen auf einen Zettel und küsste sie auf die Wange. Das hat für mich die Güte vom Papst noch mehr zum Ausdruck gebracht. Als der Papst nun vor mir stand und mir seine ganze Aufmerksamkeit widmete, verschwand meine Nervosität und alles um mich herum. Es fühlte sich an, als wäre ich dort mit ihm alleine, und er wäre nur für mich gekommen. Ich fühlte mich, während ich mit ihm redete, geborgen und außerordentlich gut aufgehoben. Es ist komisch, wie nahe man sich ihm direkt fühlt. Ich übergab ihm meinen Brief, den er mit Freude annahm. Nach diesem Moment wurde mir ein Rosenkranz übergeben. Es war wirklich einer meiner außergewöhnlichsten Momente meines Lebens.

Diese kurze, aber lehrreiche Reise hat sich zutiefst gelohnt und brachte mir wieder sehr viel Erfahrung. Und egal, woher man kommt, welcher Religion man angehört oder wie reich oder arm man ist, jeder sollte solche herausragenden Momente erleben dürfen.

J. Hog